Ab in den Norden!

Otavalo, 20. Juli 2019

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Das wir hier sind, kommt einem Wunder ziemlich nahe. Schon vorgestern hatte ich versucht, Geld anzuheben und war kläglich gescheitert. Der gestrige Tag glich einer Pilgerreise von einer Bank zur nächsten, um immer wieder aufs Neue zu hören, dass ich mit meinen Karten kein Geld bekomme. Ich ärgere mich über mich selber und die Tatsache, dass ich die Reise in mancherlei Hinsicht zwar gut vorbereitet habe, in dieser aber offensichtlich nicht.

Wieder ist „Herbergsvater“ Hubert die Rettung: er findet eine sehr unkonventionelle Lösung, die uns zumindest für die nächste Woche mit Bargeld versorgt.

So kommen wir heute morgen schon gegen neun in Otavalo an. Nachdem wir über eine Stunde lang mit Taxi und Bus die Vororte und den Speckgürtel von Quito durchfahren haben, schraubt sich der Bus die Andenstraßen hinauf und hinunter. Auf der gut ausgebauten Panamericana geht es zügig, aber aufgrund der enormen Höhenunterschiede nicht besonders schnell voran. Der Bus ist mit großen, gemütlichen Schlafsesseln ausgestattet, so dass die Fahrt angenehm verläuft. In Otavalo finden wir schnell unsere Unterkunft, zentral gelegen und sauber, aber nicht gerade gemütlich.

Wir stürzen uns ins Marktgetümmel, kaufen ein paar lokale Mitbringsel und etwas zu essen. Trotz der vielen Menschen geht es erstaunlich ruhig zu. Die Otavaleños sind wunderbar anzuschauen in ihren schönen Trachten. Man ist erstaunlich unaufdringlich, so dass auch wir distanzgewohnte Ostwestfalen uns wohlfühlen.

Den Nachmittag verbringen wir im Parque Condor. Wer schon einmal die Adlerwarte Berlebeck bei Detmold besucht hat, reibt sich verwundert die Augen. Irgendwie kommt einem das hier recht bekannt vor. Und tatsächlich gibt es zwischen beiden Vogelparks eine Kooperation. Die Flugschau ist beeindruckend, aber leider reicht mein Spanisch nicht annähernd um die Erläuterungen zu verstehen. Die Kondore, mächtige Vögel, aber um ehrlich zu sein recht hässlich mit ihren nackten Hälsen, die aus einer puscheligen, weißen Halskrause schauen, werden leider nicht vorgeführt. Das Umweltministerium will es so.

Das eigentliche Highlight ist jedoch die grandiose Kulisse: der Blick über das weite Tal von Otavalo und der Vulkan Imbabura im Hintergrund.

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Touristennepp am Äquator

Quito, 18. Juli 2019

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Nein, eigentlich ist es keine Reise wert, das Äquatordenkmal in Mitad del Mundo, der Mitte der Welt. Es treibt uns eher das Gefühl hierher, dass man es besucht haben sollte, wenn man schon mal hier ist. Der gelb markierte Verlauf des Äquator liegt zu allem Überfluss auch noch etwa 200 Meter neben der richtigen Stelle. In den Häuschen im Kolonialstil werden Essen, Getränke und Kunsthandwerk angeboten. Der Blick vom Denkmal hingegen ist schön, die Sicht am Nachmittag recht klar.

Die Highlights des Tages hingegen waren andere:

Im Irrgarten des Bussystems von Quito schaffen wir es, mit mehreren Umstiegen passgenau ans Ziel zu gelangen. Ich freue mich, dass mein Spanisch reicht, um die richtigen Fragen zustellen. Wenn nur das Verstehen der Antworten nicht wäre…Doch auch das geht immer leichter.

Der von unserem Hostel-„Vater“ vorgeschlagene Ausflug zum Pululahua-Krater ist wirklich sehr zu empfehlen. Der Blick vom Aussichtspunkt, dem mirador, in den erloschenen, am Grunde landwirtschaftlich genutzten Krater, die gegen Mittag an den fast senkrechten Wänden herabfallenden und dann wieder aufsteigenden Nebel sind den Abstecher auf jeden Fall wert.

Und dann das Unglaublichste überhaupt: in der Warteschlange am Äquatordenkmal treffen wir Freunde aus der Heimat. Wir waren schon drauf und dran, das Denkmal gar nicht zu besteigen, und dann stehen wir fast direkt hintereinander. Manchmal ist der Zufall so groß, dass man nicht mehr so recht dran glauben mag…

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Eintauchen

Quito, 16. Juli 2019

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Unser erster Tag in der Hauptstadt beginnt mit einem guten Frühstück in unserer Pension, wir lassen uns Pfannkuchen und Toastbrot schmecken.

Der schweizerische Inhaber der Casa Helbling ist da und ich löchere ihn mit Fragen, um meine Ideen für unsere Reise an die Realität anzugleichen. Ein Besuch im Amazonastiefland steht ganz oben auf unserer Wunschliste. Schon die Anreise dorthin aber gestaltet sich schwierig, da die wichtigste Verbindung von Quito nach Lago Agrio wegen eines Erdrutsches für Reisebusse gesperrt ist. Aber darüber werden wir uns zu gegebener Zeit Gedanken machen.

Jetzt steht erst einmal unser erster Tag in Quito auf dem Plan. Die Altstadt wurde als erste Stadt weltweit zum Weltkulturerbe ernannt und ist mit ihrer fast durchgängig erhaltenen kolonialen Bebauung ein wahres Schmuckstück.

Für unseren ersten Tag haben wir eine deutschsprachige Stadtführerin organisiert. Susanne übt mit uns ein bisschen Spanisch für Alltagssituationen und lässt uns machen: Wie kommen wir in die Altstadt, Taxi oder Bus? Wir entscheiden uns für den Bus und sind froh, dass wir Unterstützung haben, die uns hilft, das System zu durchschauen. Wir quetschen uns in einen jetzt schon überfüllt wirkenden Bus und steigen nahe der Altstadt wieder aus. Durch ein Gewirr von Straßenhändlern, die uns von Mandarinen über Haarschnitte bis zu Hundekleidchen so ziemlich alles anbieten gelangen wir zur Plaza de la Independencia, ein belebter Platz mit einer parkähnlichen Anlage, an dem sich der Präsidentenpalast und die Kathedrale befinden. Besonders bemerkenswert finde ich die Tatsache, dass in den Sockel des Präsidentenpalastes kleine, gewölbeartige Läden eingelassen sind, tiendas, in denen von Schals über Getränke bis zur Bartpflege vieles zu haben ist.

In der Altstadt gibt es zahlreiche, aus der Kolonialzeit stammende Klöster und Kirchen auf engstem Raum. Auf Empfehlung unserer Stadtführerin besuchen wir die Jesuitenkirche La Compañia, deren barocke Inneneinrichtung über und über mit Blattgold verziert ist. Ich bin erschlagen von all dem Glanz, aber auch von der Geschichte der Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung durch die Kolonialherren, deren traurige Auswirkungen bis in die heutige Zeit reichen.

Mit unserer Stadtführerin erkunden wir die Gassen der Altstadt. Sie führt uns in Hinterhöfe, die wir alleine nie gefunden hätten, eine Schnitzerei und eine versteckte Eisdiele, in der es wundersame Sorten wie Avocado oder Sangria zu kosten gibt. Auch die vielen Süßigkeiten an den Straßenständen probieren wir, darunter kandierten Mais und kandierte Bohnen und Kokos.

So langsam machen wir uns auf den Heimweg. Jetzt sind die Straßenhändler erfolgreicher: einen Beutel frisch geerntete Mandarinen nehmen wir diesmal mit.

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Los geht’s!

Quito, 16. Juli 2019

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Seit einer Woche hatten wir hin und her gepackt, überlegt, was wir brauchen und was nicht. Dieser Urlaub ist packtechnisch gesehen eine Herausforderung: Großstadt und Land,  Hochgebirgswanderung und Regenwald, vielleicht noch Küste. Kurz vor der Abfahrt erreicht uns noch der Anruf eines Freundes, worauf wir noch weiter auspacken. Die Schlafsäcke bleiben zuhause, das schafft Platz für die imaginäre Alpakadecke, die seit Wochen durch unsere Gespräche geistert.

Schließlich sind wir mit einer reibungslosen nächtlichen Zugfahrt pünktlich in Frankfurt angekommen, haben unser minimalistisches Gepäck bei einem „Wer hat weniger?“-Wettbewerb aufgegeben und sehen unserer Reise etwas aufgeregt entgegen. Ein mulmiges Gefühl schleicht sich in die Anspannung, und – wie öfter mal – die Frage, warum ich das eigentlich tue. Definitiv verlasse ich hier in mancherlei Hinsicht meine Komfortzone: eine Sprache, die ich nur wenig verstehe, ein Land, das ich zwar schon einmal bereist habe, aber das sich trotzdem fremd anfühlt, die vielen Unwägbarkeiten einer selbst organisierten Reise.

Und das Gefühl,  dass das Verlassen der Komfortzone den  Horizont weitet und der Blick über unseren begrenzten Tellerrand immer wieder aufregend ist.

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Knallrote Überraschung

12. Mai 2019

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Nun ist es raus. Während ich im Februar in Frühling pflanzen noch fragte, ob die soeben versenkten Tulpenzwiebeln wohl eine Chance haben, hat mich die Natur mal wieder eines Besseren belehrt und mit ihrer unbändigen Lebenskraft überzeugt. Die Tulpen blühen und blühen, auch dank des kühlen Wetters.

Trotzdem ist meine Freude etwas verhalten. Was ist passiert? Die sorgfältig geplante Komposition aus Weiß und Gelb in verschiedenen Formen, nämlich klassische und lilienblütige, wurde gesprengt durch einen Irrläufer: Plötzlich erscheinen im Beet knallrote, niedrige Tulpen und bringen alles durcheinander. Sanfte Farb- und Formübergänge? Pustekuchen! Knallrot leuchten mir die Blüten – offensichtlich eine Fehllieferung – entgegen.

Was tun? Zunächst einmal markiere ich alle Verirrten mit einem roten Faden, um sie nach dem Verblühen wiederzuerkennen und sie im Herbst in ein anderes Beet umziehen zu lassen. Und dann heißt es entspannen und den unerwarteten Farbknaller freudig zu empfangen: Nicht alles, was wir planen, trifft ein. Doch auch das Ungeplante hat seine eigene Schönheit. Wenn auch manchmal erst auf den zweiten Blick und nach anfänglichem Widerstand. Wieder einmal ist der Garten ein Lehrmeister fürs Leben.

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